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 Der Phiti - nach dem Endplot

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Jannadar
schmetternder Schmetterling
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Anzahl der Beiträge : 438
Anmeldedatum : 08.02.10

BeitragThema: Der Phiti - nach dem Endplot   Do Sep 29, 2011 8:52 pm

Der Titel sagt ja schon alles aus :> Phiti hat sich ja die Sterblichkeit gewünscht und erhalten, und das sind drei Ausschnitte, die ich mir für sein Leben danach vorstellen kann. Vielleicht ist es arg bizarr geschrieben, weil ich in dene rsten Teilen auf Namen verzichten mochte. Und ein Charakter von Kiminayu kommt drin vor, für den ich natürlich nicht das Recht erhebe, dass er genau so getroffen ist, wie die Spielerin es sich wünschen würde.

Uuund: Danke, Vultan. o_o Er hat mir wahnsinnig geholfen, indem er nach meinen bizarren Vorgaben das Gedicht im ersten Abschnitt verfasst hat. Und das, aus meiner Sicht, so gut! Danke, Vultan-Dude *_*

Achtung: Viel Pathos o_o


Lautes Stimmengewirr erfüllte die Taverne, und es wirkte, als würde sich ganz Pandämonium in den engen Schankraum drängeln. Es war kaum ein Durchkommen, und selbst die immer lächelnde Malfaisante musste sich mit ihren Ellenbogen einen Weg durch die Scharen an Gästen bahnen. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, während die asmodische, dunkle Dämmerung in eine asmodische, finstere Nacht überging.
Plötzlich sprang ein Mann auf einen der großen, viereckigen Tische, hob die Arme weit über den mit einer federgeschmückten Hut. Er trug eine lachfarbene Weste über soliden, karierten Kleidern.
„Brüder! Schwestern! Säufer!“, rief er mit lauter Stimme, und ein vielfacher Chor aus Jubel antwortete ihm.
„Ich, Salbardon, oberste aller Barden und Skalde der Shedims,“ fuhr er prahlerisch und mit Sicherheit nicht ganz wahrheitsgemäß fort, „bin heute hier, um euch zu dienen, wertes Volk!“ Wieder wurden Rufe der Freude laut. Ein besonders lauter Gast schrie mit tiefer Stimme: „Sing! Sing! Sing!“ Und immer mehr stimmten in die Aufforderung ein. Wieder hob der Barde beide Arme, diesmal beschwichtigend und um sich wieder Gehör zu schaffen.
Und so rief er wieder: „Also soll ich euch die Weise Zikels singen?“ Mehrstimmige, laute Verneinung war die Antwort. „Wollt ihr von Kapitän Logite und seiner Mannschaft hören?“ Wieder winkte die Menge ab, und ein irrtümlicher Gesichtsausdruck legte sich auf das Antlitz des Sängers. Er legte sich einen Finger an die Lippen, ging leicht in die Hocke, eine katzenhafte Pose. Das Stimmengewirr ließ nach, wurde leiser, und jeder im Raum wollte hören, was der Barde zu sagen hatte.
„Oder soll ich...“, sprach er, in verstohlener Haltung am Rande des Tisches entlang schleichend und den Finger achtungheischend zu seinen Zuschauern gereckt. Als er weitersprach war seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, und wurde doch von jedem im Raum gehört, „... euch von den Wölfen Aions erzählen?“ War der vorhergehende Jubel ohrenbetäubend zu nennen, so war derjenige, der nun aufkam, schlicht als kataklysmisch zu beschreiben.
Es dauerte zwei ganze Minuten ehe es wieder ruhig wurde, begleitet vom rhythmischen Stampfen und der immer wieder aufbrandenden Aufforderung, zu beginnen. Der Barde lachte unverdrossen, jegliches mystisches Spiel wieder vergessen.
„Nun denn!“, rief er nach einiger Zeit und deutete auf das andere Ende des Raumes, „Man bringe mir meine Laute!“ Sofort schlängelte sich eine kleine Gestalt durch den Raum, schlüpfte zwischen Beinen hindurch und verlangte mit piepsiger Stimme um Durchlass.
Schließlich sprang ein kindlicher Shugojunge zu dem Barden auf dem Tisch und reckte ihm die Laute gleich einem Schwert entgegen – und erntete wie beabsichtigt heiteres Gelächter von den Zuschauern. Der Sänger nickte ihm gespielt huldvoll zu, nahm die Laute, und zupfte probeweise an den Seiten. „Und ihr seid sicher, dass ihr nichts anderes hören wollt?“, rief er heiter, obschon er die Antwort kannte.
Im Chor rief die Menge erneut: „Die Wölfe! Die Wölfe! Die Wölfe!“ „Nun gut!“, sprach der Sänger, griff erneut in die Saiten und begann zu spielen, wobei er im gemächlichen Tempo am Rande des Tisches entlang schritt.
Kein Mucks war mehr zu hören bis auf sein Spiel, und dann erhob er die Stimme zum Singen.

Hört die Legende hier entstehn
Hört mich von Mut und Stärke singen
Von zwei Geschwistern stolz und schön
Wie sie den Weg des Aion gingen

Razan und Rasza wie sie hiessen
Fühlten schon in jungen Jahren
Die Kraft des Einen in sich fliessen
Dass sie zu mehr berufen waren

Sie spürten in sich Aions Willen
Sein Wort zu sein das Wahrheit spricht
Des Gottes Zorn sollten sie stillen
Die Faust die seine Feinde bricht

Sie sammelten die tapfre Schar
Die ihr als Aions Meute kennt
Die Wilde Jagd in Balthasar
Die jedes Kind mit Ehrfurcht nennt

Grosse Krieger, stolze Streiter
Die wir als mutge Recken sahn
Mit ihren Taten wuchs es weiter
Das Heldenlied von Cwn Annan

Und plötzlich endeten Gesang und Laute so abrupt, dass die plötzliche Stille in den Ohren schmerzte. Der Sänger hielt in seinen Bewegungen inne, ließ die Laute langsam sinken und rief plötzlich: „Ein Bier! Meine Kehle braucht Erfrischung!“ Und wie auf Befehl ging das lärmende Tavernenleben weiter, eine Pause im Sangesstück.
Ein voluminöser Bierkrug wurde über die Häupter der Anwesenden gereicht und gelangte schließlich in die Hände des Barden, der einen großen Schluck vom schäumenden Inhalt zu sich nahm. Sein junger Shugofreund klaubte ihm den gefiederten Hut kichernd vom Kopf und eilte an die Tischkante.
Die extravagante Kopfbedeckung wurde umgedreht und kurzerhand als Münzbeutel benutzt, in den alle Nahestehenden freudig Münzen warfen. In all dem Trubel fiel ein junger Asmodier kaum auf, der sich seinen Weg durch die Menge suchte.
In seinen Klauen balancierte er zwei Gläser, das eine mit grell rotem Saft gefüllt, während im anderen eine klare Flüssigkeit schwappte. Die edle Robe, das lange, silberne Haar und die kindlichen Gesichtszüge hoben den Jüngling deutlich von der groben übrigen Kundschaft ab.
Trotz all dem Gedränge und Geschubse lächelte er durchgehend und gelangte schließlich, nach einer ganzen Weile des umsichtigen Balancierens, ans andere Ende der Taverne, weitab der Theke. Hier war es zwar nur wenig ruhiger, aber das Gedränge nahm spürbar ab.
Mit federndem Schritt näherte sich der Jugendliche einem abgelegenen Winkel in dem sich ein thekenähnlicher Tisch an die Wand klammerte. Eine schmale Sitzreihe kauerte vor dem Tisch, und nur ein einziger anderer Gast hatte in der dunklen Ecke Platz genommen, trotz dem kaum mehr vorhandenen Stehplatz.
Und genau diesen anderen Gast steuerte der Junge auch an. Der hagere, großgewachsene Mann saß mit dem Rücken zu ihm. Die Haare, mehr grau als schwarz, waren am Hinterkopf streng zusammen gebunden. Der linke Arm des Mannes lag vor ihm auf dem Tisch während seine rechte Schulter in einem kurzen, ärmellosen Stumpf endete.
Das Lächeln des Jünglings wurde noch breiter als er sich neben den Einarmigen auf einen der Hocker setzte und das Glas mit der klaren Flüssigkeit vor den Älteren stellte. Dieser sah zur Seite. Ein ordentlich gestutzter Vollbart rahmte den schmallippigen Mund ein, die Stirn von einer Handvoll Falten geprägt.
„Ich danke dir, eh?“, sprach der Einarmige mit tiefer Stimme und legte seine Hand um das Glas. Der Junge schüttelte den Kopf, sodass die langen Haare von links nach rechts wippten: „Nichts zu danken. Wie gefällt es dir hier?“ Kaum hatte er geendet, als er das Saftglas an seine Lippen führte und eifrig zwei, drei Schluck nahm. Der Grauhaarige, dessen Wange eine verblassende Tätowierung zierte, die sich um sein Auge schlängelte, ließ sich Zeit mit seiner Antwort und sprach die Antwort bedächtig und langsam aus: „Es ist voller als damals. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass hier früher schon so viel los war, eh?“
Wie zur Bestätigung gröhlte die Menge hinter ihnen kurz besonders laut – der Shugo vollführte wohl kleinere Kunststücke, während sein Herr trank. Und auch der Junge nickte als er antwortete: „Es ist lange her, hmm? Du warst vor 15 Jahre das letzte Mal hier. Zwischendurch hätte Genpels den Laden fast dichtmachen müssen, aber inzwischen sind wohl wieder rosige Zeiten angebrochen. Der Bankettsaal musste schließen, aber das hat hier wohl niemanden gestört.“
Der Junge zählte noch eine paar Läden und Ecken in der Stadt auf, die sich wohl grundlegend verändert hatten, während der Einarmige gelegentlich nickte und an seinem Glas nippte. Als er geendet hatte sah er den Älteren noch aus großen, grünen Augen an, was dem wohl nicht zu entgehen schien.
Er gab ein leises „Eh?“ von sich, und das Lächeln des Langhaarigen wurde wächsern als er weiter sprach: „Ich weiß, du hörst es nicht gern... Aber schon dich hierzu zu überreden hat Jahre gedauert, und wo wir nun schon einmal hier sind könnten wir doch...“ Er wurde immer leiser als der Andere den Kopf schüttelte und mit ruhiger Stimme erwiderte: „Meine Antwort ist dieselbe. Ich brauch keine Hil...“
Er wurde unterbrochen als ihm der Jüngere ins Wort fiel: „Aber es gibt Prothesen, es wäre viel einfacher für dich!“ „Kleiner, es ist...“, sagte der Mann und wurde prompt erneut unterbrochen, doch diesmal schwang in der Stimme des Kleineren Hoffnung mit: „Du könntest wieder jagen!“ Der Einarmige zuckte zusammen und presste die Lippen noch weiter zusammen. Diesmal dauerte es weitaus länger, ehe er antwortete.
Sein Blick ging ins Leere bis er den Jungen wieder fixierte und sprach: „Wenn du mir einen Gefallen tun willst, bring mir den Kopf von dem verdammten Worg, der mir den Arm abgebissen hat. Oder den Arsch von dem Priester, der den Rest auch noch abschneiden musste, eh? Aber hör mit dem Ätherzeug auf, eh?“
Damit kehrte Stille zwischen den beiden ein. Nach Minuten ergriff der Silberhaarige wieder das Wort, zaghaft und leise: „Es ist noch etwas. Ich... hab jemanden kennen gele...“ Was auch immer er sagen wollte ging im aufbrandeten Jubel unter, dass wohl davon kündete, dass der Barde fort fuhr. Und genau das tat er in diesem Moment auch.

Doch einst ein Schatten auf sie fiel
Intrigen die ihr Ende wollten
Lafandas und sein Ränkespiel
Dem sie beinah erliegen sollten

Er wählte sie zu seiner Beute
Ließ Hass und Bösem freien Lauf
Er machte Jagd auf Aions Meute
Doch niemals gab das Rudel auf

Weder Zauber noch der Speer
Konnten ihren Willen brechen
Sie duldeten kein Übel mehr
Und zogen aus um sich zu rächen

Aions Banner, Razans Mut
Führten sie in diese Schlacht
Zu bewahr'n ihr höchstes Gut
Zu zerstör'n die dunkle Macht

Erschlagen von der Meute Schwert
Sank Lafandas auf die Knie
Die Wölfe hatten ihn gelehrt:
Dem Rudel widerstehst du nie

Aion sah's und war's zufrieden
Sah stolz auf sie von seinem Thron
Hatte sich längst für sie entschieden
Gab ihnen nun den größten Lohn

Er stieg hinab vor zwei Dekaden
Auf dass das Rudel ihn begleite
Zu seinen göttlichen Gestaden
Zu wachen nun an seiner Seite

Dort sind sie nun des Aion Garde
Und schaun hinab auf unsre Welt
Und hör'n vielleicht wie dieser Barde
Sie besingt und euch gefällt

Als das Lied verklang setzte erneut das Gerufe und Tavernenleben ein. Der Ältere und der Junge saßen noch eine Weile still da, der Moment war verstrichen. Schließlich sagte er Einarmige mit träger Stimme: „Bring mich nach Hause.“

~ ~ ~

Weithin hallte das laute Kinderlachen durch den Wald. Ein Mädchen und ein Junge, beide mit blasser Haut und satinblonden Haaren, tollten durch den Garten, über Wiesen und Wege, vorbei an kleinen Beeten und um einen dickstämmigen Baum herum.
Was für die beiden wohl kaum fünfjährigen Kinder wie ein großes, eingezäuntes Areal sein musste, war für die drei Älteren die unweit der Spielereien saßen, vor einem Haus das sich an die Steilwand schmiegte.
Die Lichtung, die die Hütte samt Garten darstellte, wurde von altem Wald eingerahmt. Eine Terasse schloss sich an die Behausung an, drei Stühle standen dort. Auf dem ersten saß der Alte aus de Taverne – Jahre mussten verstrichen sein, denn auch das letzte schwarz war aus seinen Haaren verschwunden. Auch sein hoher Wuchs war dem Alter gewichen, er war hager wie eh und je, doch einen guten Kopf kleiner als früher.
Sein einer Arm lag auf der Lehne des Stuhls während seine Augen mit warmen Glanz dem Spiel der Kinder folgte. Gleich neben ihm saß der Junge, jedoch hatte er sich keinen Deut verändert. Die Haut war blass und jung, die Haare lang und an den Seiten geflochten um Ordnung in die silberne Mähne zu bringen.
Noch immer trug er eine Robe, doch war diese schlichter, weniger aufwendig – betrachtete man seine ansonsten gepflegte Erscheinung war das eher ein Zugeständnis an Bequemlichkeit statt eine Geldsache. Auf dem Stuhl neben dem seinen, mit einer schmalen Hand auf seinem Arm, saß eine ebenso junge Frau, deren blonde, schulterlangen Haare ein blasses Gesicht mit dezent aufgelegter Schminke einrahmten.
„Ich hatte selber ein Kind. Weißt du? Hab ich dir von erzählt, eh?“, sprach der Alte, dessen Gesicht noch mehr Falten trug.
Der Jugendliche nickte schwer, ohne sein Lächeln einzubüßen und antwortete: „Ich weiß. Du hattest es einmal erwähnt.“ Das war gelogen, dachte sich der Silberhaarige. Der Alte hatte es die Jahre über nicht nur erwähnt, er kannte die gesamte Geschichte. Und vor kaum einer Stunde hatten sie den alten Friedhof besucht, auf dem eben dieses Kind seit Jahren ruhte.
„Habe ich, eh?“, fragte der Alte nach, unsicher und zaghaft, nickte dann jedoch, „Gut, gut. Aber... ich schweife ab. Wollt ihr... was tinken? Ihr müsst am verdursten sein, eh?“
Seine beiden Gäste hoben mit schiefem, aber ehrlichen Lächeln ihre bereits gefüllten Lächeln, und einen Moment zeigte ihr Gastgeber eine Spur Verwirrung. Doch nickte er abermals. Just in dem Moment sah sich das jüngere Paar an und die Frau erhob sich mit den Worten: „Ich fang einmal die kleinen Springteufel ein.“
Kaum war sie weg, sah der Junge zu dem Einarmigen: „Ich muss mit dir reden. Ich sage es nicht gerne, aber... Überleg dir mein Angebot. Komm zu uns in die Stadt. Du kannst bei uns wohnen, und nicht alleine am Ende der Welt. Wir kümmern uns um dich.“
Wie vor den Kopf gestoßen öffnete der Grauhaarige den Mund. Er erinnert sich nicht einmal, schoss es dem – noch immer – Kleineren durch den Kopf und sprach weiter: „Wir haben schon extra ein Zimmer für dich eingerichtet. Es würde dir nur leichter fallen, und...“
Der Alte unterbrach ihn mit vehementem Kopfschütteln und erwiderte mit trotziger Stimme: „Nein... Nein, das geht nicht, nein, ich kann hier... nicht weg. Niemals, es... Nein.“ Melancholie legte sich auf die Züge des Jüngeren, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gepresst. „Du kannst nicht... Du musst es doch einsehen. Du... Du wirst alt. Ich will dir doch nichts böses, ich will dir helfen. Ich will, dass es dir gut geht. Warum siehst du das nicht ein?“
Die Stirn des Alten lag in tiefen Falten, die Brauen waren zusammen gezogen. Trotz und Wut hatten sich seiner bemächtigt, und sein Blick ging starr hinaus auf die Wiese, wo die junge Frau noch immer versuchte, ihre Kinder zur Räson zu bringen.
Der Junge blickte in das Gesicht des Einarmigen, wartete auf eine Antwort und schöpfte vage Hoffnung, als sich die Gewitterwolken auf des Anderen Gesicht legten. Als dieser dann sogar lächelte war er sich sicher, nun eine Zustmmung zu erhalten.
Umso härter traf es ihn schließlich, als der Alte tatsächlich sprach: „Ich hatte selber ein Kind. Weißt du? Hab ich dir von erzählt, eh?“ Traurig nickte der Langhaarige. „Ja“, sagte er mit belegter Stimme, „Du hast davon erzählt.“

~ ~ ~

„Wie lange willst du noch hier bleiben? Wir brauchen dich in Pandämonium. Deine Kinder sehen dich kaum noch. Und Balder schickt inzwischen jeden Tag einen Boten, der sich nach dem Zeitpunkt deiner Rückkehr erkundigt. So viel Ansehen du im Tempel auch genießt, du kannst nicht ewig fort bleiben.“, sprach die junge Frau eindringlich.
Ihr gegenüber saß ihr ebenso junger Gemahl. An beiden schien die Zeit spurlos vorüber zu ziehen. Sie saßen in einer kleinen Küche, durch deren Fenster man in den Garten sehen konnte. Der Baum, um den die Kinder herum getollt waren, war von einem kräftigen Baum zu einem wahren Giganten heran gewachsen, dessen Blätterdach weite Teile der Wiesen in Schatten hüllte. Der junge Mann nickte schwer, das Gesicht verschlossen und die Augen niedergeschlagen.
Er überlegte sich eine Antwort und sprach sie monoton aus: „Gib mir nur... eine Woche. Er wird zustimmen, ich bin mir sicher. Er muss. Wenn er bis dahin nicht einwilligt... Lasse ich ihn zur Not gegen seinen Willen in die Stadt bringen.“
„Warum?“, hakte seine Frau mit eindringlichem Bitten nach, „Warum erst in einer Woche? Was wird sich ändern? Du kümmerst dich nun seit vier Jahren um ihn, und lebst seit Monaten wieder hier. Er... wird sich nicht umentscheiden.“
Die bedrückende Stimmung in dem kleinen Raum war fast schon greifbar, und als der Langhaarige antwortete war seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, der Blick ging starrend aus dem Fenster: „Weil ich nicht weiß, wie er die Reise verkraftet. Er könnte...“ Er brach mitten im Satz ab als ihm die Frau nachsichtig über den Arm strich. Eine Weile verharrten sie schweigend, als die Tür aufgeschoben wurde.
Die beiden Kinder waren zu Jugendlichen heran gewachsen. Das Gesicht des Jungen war schmal wie das seines Vaters, doch zeigte sich über dessen Lippe der erste, sachte Flaum der Pubertät, und auch die Robe des Mädchens konnte ihr beginnendes Erwachsenwerden nicht verschleiern. „Dauert es noch lange? Hier gibt es nichts zu tun.“, sprach der Junge.
Sein Vater sah zu seiner Mutter, formte mit den Lippen stumm die Worte 'Nur eine Woche'. Sie nickte seufzend und erhob sich. „Nun gut.“, sagte sie, und lächelte plötzlich, „Sagen wir Großvater auf Wiedersehen.“ Alle vier durchschritten den schmalen Flur und betraten das Schlafzimmer an dessen Ende. Die Luft in dem Raum war muffig und abgestanden, Staubflusen wirbelten durch das einfallende Licht. In dem Bett, das für zwei gebaut war, lag eine einsame Gestalt.
Die Zeit hatte den Einarmigen endlich auf die Größe des jungen Vaters geschrumpft. Fleckige Haut spannte sich über den kahlen Schädel, der abgemagerte Arm lag verkrampft auf der Steppdecke. Ohnehin wirkte sein Körper unter der Decke ungesund dürr. Der Langhaarige räusperte sich leise und schreckte den Alten damit aus seinem Schlaf.
Die faltigen, eingefallenen Lider öffneten sich müde und gaben zwei milchige Augen frei, die ziellos an die Wand und durch alle Anwesenden hindurch starrten. „Phiti.“, sprach Kirunrael leise, „Meine Familie reist wieder ab.“ Die Worte verklangen in dem engen Raum, und es dauerte eine ganze Weile ehe er Alte schwach nickte und unverständlich krächzte. Unsicher sah die junge Mutter zu ihrem Gemahl und dann wieder zu dem Einarmigen: „Wir... sehen uns in ein paar Wochen wieder. Pass... Mir in der Zeit gut auf Kirunrael auf.“
Sie lächelte schief, unsicher, ob er sie verstanden hatte. Diesmal folgte keine Reaktion, und nach einigen Sekunden warten schoben sich zuerst die Jugendlichen und schließlich die Frau nach draußen. Kirunrael ging auch hinaus auf den Flur, seine Familie zu verabschieden, und hätte auch fast die Tür zum Schlafzimmer geschlossen, als eine krächzende, leise Stimme aus diesem drang. „Tyras.“, entwand es sich der alten Kehle des Einarmigen.
Der Magier, der sich so lange um ihn gekümmert hatte, hielt inne, sah zu seiner wartenden Familie und ging doch noch einmal in den Ruheraum ehemaligen Jägers. Bedächtig schloss er die Türe hinter sich und erschrak als er bemerkte, dass ihn die sonst blinden Augen des Einarmigen musterten.
Und wieder krächzte der Alte: „Du... so groß geworden... Weiß noch... So klein...“ Der Arm bewegte sich, zitterte – zu mehr war er wohl nicht mehr in der Lage, geschweige denn eine Höhe neben dem Bett anzudeuten. Mit mühsam unterdrücktem Beben näherte sich Kirunrael dem Bett, ließ sich auf die Kante sinken.
„Phiti“, sprach er noch einmal, „Ich bin nicht...“ Er hielt inne, als der Andere einfach weiter krächzte, heiser und stockend: „Du... So groß... So alt... Du... Nein, du... Beide... Sie sind beide...“ Die milchigen Augen füllten sich mit Tränen, und noch einmal sagte er „Sie sind beide...“ ohne den Satz zu vollenden. Zögernd nickte Kirunrael, legte seine Klaue auf die des Alten. Er sagte kein Wort, und sofort stammelte Prophaniti weiter: „Ki... Kirunrael... Kleiner... Du... Es... so Leid... Hätte... Nein, ich...“ Doch Kirunrael schüttelte langsam den Kopf, ein schmales Lächeln auf den Lippen.
„Entschuldige dich nicht.“, sprach er leise, flüsternd, „Alles wird gut.“ Der Mund des Alten war leicht geöffnet, als wollte er etwas sagen, doch dauerte es einige Sekunden, ehe er krächzte: „Danke... Sohn... Muss... schlafen... Ich bin... müde... So...“ Und dabei wurde er immer leiser, die Lider schlossen sich und die faltigen Mundwinkel hoben sich kaum merklich.
Kirunrael starrte ihn noch einige Momente an, und auch als sich die Brust des Jägers nicht mehr hob und senkte, bewegte er sich nicht. Seine Augen wurden wässrig und erst die schmale Hand der blonden Frau, die sich auf seine Schulter legte, riss ihn aus der Starre.
Wort- und tonlos lehnt er den Kopf an ihre Hüfte.
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Hanhepiwin
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BeitragThema: Re: Der Phiti - nach dem Endplot   Di Okt 25, 2011 2:45 pm

....

Na toll...ich sitz hier in der Uni in meiner Pause, les mir alles gemütlich durch und jetzt sind mir doch tatsächlich zwei Tränen die Wange herunter gerollt. Gut dass ich am Fenster sitze und ganz vorne, so sieht es wenigstens niemand.
Wirklich Phiti, klasse geschrieben und mitreißend. Ich saß hier und hab für die Zeit des Lesens vergessen wo ich bin.
Armer Char...ich sehe ja etwas Schuld bei mir. Aber ich hoffe so ist es besser für ihn, er glücklicher. Das Altwerden ist echt beeindruckend rüber gekommen.

*sich die Träne wegputz*

....

_________________
Die Natur kennt keinen Stillstand, konstant ist nur der Wandel.
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