Habt Ihr sie gesehen…?
Schwarz sollen ihre Flügel sein. So finster wie ihre Seelen, so undurchschaubar wie ihre Absichten. Abgrundtief soll ihr Hass sein und ihr Gewissen? Nicht vorhanden. Blut klebt an ihren Klauen, ein hämisches Grinsen auf ihren Lippen und die Augen… ein rotes, gnadenloses Glühen. Tod, Chaos und Verderben sollen sie begleiten, sollen ihre Wegweiser und Berater sein.
Laut hallte das grässliche Lachen in ihren Ohren wieder, riss sie ohne jegliches Erbarmen aus ihren Gedanken und befahl sie wieder in die grausame Realität. Ein leises Seufzen entwich ihren zarten Lippen als sie ihren Kopf hob und diesen zur Seite drehte. Was war so witzig, Vater? Große, grüne Augen tasteten die Umgebung ab, suchten den Übeltäter und fanden ein Übel, welches niemand zu sehen wünscht. Das Lächeln gefror auf ihren Lippen, wurde mit Entsetzen ersetzt. Wie war das möglich? Wo kam er her?
Süffisant grinste der blonde Fremde das junge Mädchen an, während seine Hand einen verzierten Dolch festhielt und diesen an die Kehle ihres Vaters drückte. Ein kleiner, roter Tropfen lief an der Klinge entlang und fiel gen Boden. Angst lähmte ihre Glieder, ließ sie das Gesicht verzerren und Tränen in ihre sonst so Hoffnungsvollen Augen steigen. Was hatten sie verbrochen, dass dies geschah?
Genießend und unnötig qualvoll ließ der Blonde die Klinge über die weiche Haut gleiten und vergrößerte den Druck. Ein feiner Striemen bildete sich an den Stellen über die, die Klinge gefahren wurde. Blut quoll erst gemächlich, dann schneller aus dem älteren Mann, während Tränen über die Wangen seiner Tochter liefen. Sie konnte sich nicht rühren, konnte nur da stehen und ihrem Vater beim Sterben zusehen. Warum?
Lachend ließ der Unbekannte den Sterbenden auf den Boden fallen, würdigte ihn keines weiteren Blickes mehr und konzentrierte sich viel lieber auf das vollkommen aufgelöste Mädchen. Langsamen Schrittes näherte er sich ihr und hob den Dolch zu seinem Mund. Gönnerhaft leckte er über die blutverschmierte Klinge, musterte das junge Ding und beugte sich schließlich zu ihr runter. Sofort war ihr klar, dass auch sie hier und heute sterben würde. Sie würde ihrem Vater folgen und gemeinsam wären sie in den Weiten des Nichts glücklich, oder?
Der Atem stockte ihr, die Muskel verspannten sich und die Augen wurden fest zusammen gedrückt als sie die kühle Klinge an ihrer Wange spürte. Gleich wäre es vorbei. Gleich. Nur noch wenige Augenblicke. Sie musste nur den Schmerz überstehen und dann wäre sie frei. All das Leid, welches sie schon seit Jahren verfolgte und an diesem Tag sich prächtig vermehrt hatte, würde verschwinden… wie auch sie selbst. Nie wieder würde sie das Gras unter ihren Füßen spüren, auch wenn sie es eigentlich hasste. Nie wieder würde diese blöde Sonne auf ihrer Haut brennen und sie aus der Ruhe bringen. Nie würde sie eine Freundschaft aufbauen können und nie würde sie die wunderbaren Seiten des Lebens erleben. Nie würde sie erwachsen werden. Sollte es wirklich jetzt schon zu Ende gehen? Einfach so? Mitten in einem Wald, wo sie niemand findet? Nein.. nein, nein, nein und nochmals NEIN!
„Ich will nicht sterben!“
Habt ihr gehört…?
Barmherzigkeit und Respekt prägen ihren Umgang miteinander. Freundschaften und Familienbunde sollen sie haben.
Dieser Abschaum soll wissen was Werte sind, was Ehre bedeutet? Soll nicht nur die Bedeutung kennen, nein sogar danach streben, leben? Lachhaft. Nichts als nutzloser Abfall, der die Luft verschmutzt, die Atmung und somit das Leben erschwert.
Glaubt den Märchen nicht und zerfetzt die schwarzen Schwingen. Sie sind der Feind. Das Böse. Unser Untergang.
Es tat sich nichts. Die Klinge schnitt nicht in ihre Haut. Der Mann bewegte sich nicht. Nur ein leises Knistern war zu hören, ehe es ersetzt wurde. Das Geräusch von Schritten drang an ihr, gefolgt von einigen Worte. Flüche in ihrer Sprache wurde gesprochen, ein Schwert gezogen. War das ihre Rettung? Vorsichtig wagte sie sich die Augen zu öffnen und erblickte just in diesem Moment, die weißen Flügel. Der Blonde ging in die Knie und drückte sich von der Erde, weitete seine Flügel und verschwand Richtung Himmel. Ein weiterer Mann enthüllte seine schwarzen Schwingen und folgte der, wie er sie liebevoll nannte, ‚verdammten Taube‘.
Ihre Beine fingen zu zittern an und verweigerten schließlich ihre Aufgabe, das Adrenalin legte sich und die Tränen kullerten nur so über ihre bleichen Wangen. Sie wollte nichts von dem Kampf sehen, vergrub ihr Gesicht in ihren Klauen und schluchzte herzzerreisend. Nun war sie allein, auf sich gestellt.
Habt Ihr schon mal versucht Eure Sicht zu ändern?
Während Weiß alles an sich abprallen lässt, ist Schwarz ein Gemisch aus allen Farben. Wären die Elyos dementsprechend nicht eher der Tod, das Nichts, während die Asmodier das Leben in all seinen Facetten präsentiert?
„WAAH!“
Ruckartig duckte sie sich zur Seite und fuchtelte wie wild mit ihren Klauen. Irgendetwas summte und schwirrte um ihr Gesicht so als hatte es die Absicht alles genau zu mustern, bevor es zubeißt und ihr jegliches, nun gut nur ein paar Tropfen, Blut entwendet. Dieses kleine Biest ließ trotz Kampfgebrüll und den zielsicheren Schlägen keine Ruhe und so sah sich Lykia gezwungen ihren harterkämpften Platz an dem künstlich angelegtem Teich zu verlassen. Schmollend funkelte sie das kleine Vieh an und ging einen weiteren Schritt zurück. „Wie aufdringlich!“, murmelte sie vor sich hin und versuchte ihr Bestes dieses Monster mit ihren Blicken zu töten. Doch - oh, wunder - es flog unbeirrt seines Weges und war keineswegs beeindruckt von den kindlichem Verhalten des jungen Daeva. Obwohl sie sich doch so große Mühe gab bedrohlich zu wirken.
„Sieh an, selbst ein harmloses Instinkt triumphiert über dich?“ Rau und gnadenlos ehrlich erklang die Stimme des ihr wohlbekannten Templers hinter ihr. Kopfschüttelnd hatte er sie beobachtet, während sie ihn nicht einmal bemerkt hatte. Abrupt drehte sich die Priesterin um und blickte die kalten Augen ihres neuen Begleiters. „A-aber.. e-es..!“, fing sie an sich zu verteidigen und lief gleichzeitig knallrot an, während der Boden mit einem Mal ihr Interesse geweckt hatte. Unsicher spielte sie an ihrem Rocksaum herum, während der Templer ein leises „Das werde ich dir noch austreiben“ von sich gab und sich von ihr abwendete.