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 Rhuwen... eine graue Seele..

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BeitragThema: Rhuwen... eine graue Seele..   So Mai 30, 2010 12:57 am

~Die Reise beginnt...~

Hastig und grob wurde sie am Handgelenk gepackt. Ein Ruck ging durch ihren zierlichen Körper und man zog sie einfach hinterher. Alles Weinen und Betteln half nichts, erbarmungslos trieb er sie weiter. "Lodesh lass mich los!" Eigentlich hatte sie es schreien wollen, doch ihr versagte die Stimme augenblicklich. Überall Verwesung, abgehackte Glieder und Köpfe. Der Gestank von geronnenem Blut stieg ihr in die Nase und es drehte ihr fast den Magen um. Ein flüchtiger Blick zu ihrem Bruder verriet, dass es ihm nicht anders ging. Doch er presste die Kiefer so fest zusammen, dass die Muskulatur hervortrat. Er gab sich ihretwegen so stark.
"Wo sind Vater und Mutter? Lodesh wo sind sie?" Ihre Worte waren nur noch ein Schluchzen und ihr leerer Blick glitt über das Dorf, das bis vor kurzem noch voll von Leben erfüllt war. Und nun? Tod und Verwüstung, nichts hatten sie übrig gelassen. Hinterrücks überfallen, aufgelauert und im Schlaf überrascht. "LODESH! HÖR AUF!" Jetzt erst schrie sie und ihr Bruder blieb so plötzlich stehen, dass sie fast in ihn gerannt wäre.
Er sah sie nicht an, blickte starr auf den Boden vor sich. Immer hatte sie ihn bewundert. Wie er da stand..
Hochgewachsen, gerade im Mannesalter angelangt. Vater hatte ihn gut augebildet nach allen Regeln der Kunst. Durch das jahrelange Training war er geformt worden.. breite Schultern, ein gestählter Körper und kräftige Hände.
Wie er da stand... wieder ging ihr der selbe Gedanken durch den Kopf. Sie hatte die Angst in seinen Augen gesehen, diese einzigartigen eisblauen Augen in denen es manches Mal silbern schimmerte.
Tief sog er Luft in seine Lungen und atmete durch. Erschrocken stellte sie fest, dass sein Griff sich nicht lockerte.. nein, ganz im Gegenteil, er packte nur noch fester zu und ging weiter ohne ein Wort zu verlieren und sie stolperte flehend und weinend hinterher.

Tagelang ging es so weiter. Lodesh schien keinerlei Erschöpfung zu spüren, es gab keine Rast, keinen ruhigen Moment. Fast wirkte es, als würden die beiden von einer wild mordenden Meute verfolgt die jeden Moment um die Ecke erscheinen könnte, nur um über sie herzufallen wie Bestien.
Rhuwen hatte alle Tränen geweint in den letzten Tagen, nun griff tiefe Trauer nach ihr. Eine Leere die sie nicht zu beschreiben wusste machte sich breit. Mutter und Vater.. sie hatte sie nicht finden können unter all den Toten. Hatten sie überlebt? Heftig schüttelte sie den Kopf. Nein.. hatten sie nicht. Mutters Brosche hatte sie gefunden, verklebt mit dunkelrotem Blut und einigen schneeweißen Strähnen. Rhuwen schloss die Augen und holte tief Luft. Mutter und Vater waren weg.... verschleppt oder tot. Keiner der Gedanken mochte Ihr gefallen und beide lösten einen erneuten Heulkrampf aus. Stumme Tränen rannen ihre Wange hinab und Lodesh zog sie erneut fort.
Nach einer Woche endlich blieb Lodesh stehn. In einen tranceartigen Trott verfallen lief Rhuwen einfach weiter und direkt in ihren Bruder hinein. Irritiert blinzelte sie ihn an und sah sich dann um. "Wir rassten.. nur kurz" Seine Stimme klang rau und hart wie Stahl. Lodesh lies Rhuwen einfach stehn und setzte sich etwas weiter weg auf einen großen Felsen, während sie sich apathisch auf den Hintern fallen lies, da saß und ihn anstarrte. Ihn.. alles was Ihr noch geblieben war.
Erst jetzt fiel ihr auf, dass er etwas wie eine Kette in der Hand hatte...

Klick ... klick ... klick ... ein monotones Geräusch mit dem die feingliedrige Kette durch kraftvolle Finger glitt.
Klick ... klick ... und immer wieder schlug ein kleines daran befindliches Amulett gegen lederne Armschienen , versehen mit dünnen Metallplättchen.
Nachdenklich blickten seine grau-blaue Augen darauf hernieder, die sein aristokratisches und markantes Gesicht zierten.
Ernst waren die Züge und ab und zu trat die Kiefermuskulatur deutlich hervor, im Takt des Anhängers.
Wer diesen Mann so sah, dachte sie sich, würde einen großen Mann feststellen, wohl im besten Alter.
Rastlosigkeit und Ungeduld strahlte er aus und ab und zu wirkte sein Blick gleichgültig und leer... doch noch etwas...

Dunkle Rüstung, teils Leder, teils Platte, matt schwarz gehalten, kleidet ihn. Es war die Rüstung, die er von Vater erhalten hatte, als er seine Ausbildung beendet hatte. Stünde man neben ihm, und das wusste Rhuwen, würde man etwas wahrnehmen, ... Unberechenbarkeit.

Ruhe und völliges Chaos waren die Wesenszüge, selten Freude oder gar überschwängliches Verhalten. Ihr schauderte, kalte Wellen schwappten über den Rücken und sie zog die Beine enger an ihren Körper um die Arme darum zu schlingen. In Gedanken versunken starrte Lodesh schweigend und nachdenklich auf die Kette in seiner Hand und Rhuwen lies ihn nicht aus den Augen, bis der lang ersehnte Schlaf nach ihr griff und sie in eine traumlose Ruhe gleiten lies.

"Rhuwen.. wir müssen weiter. Steh auf." Unsanft wurde sie gerüttelt. Ein klagender Laut drang über ihre Lippen. Sie fror, war müde und erschöpft. Alles tat ihr weh und sie sah keinen Grund mehr, aufzustehn. Warum auch? Ihre Eltern waren Weg.. ihr Bruder glich einem Eisklotz. Welchen Sinn hatte es, weiter zu gehn? Ein Ruck, zwei starke Arme, die sie einfach hoch hoben. Noch ganz dämmrig im Kopf bekam Rhuwen mit, wie Lodesh sie Huckepack nahm und zügig los maschierte.
Wie lange er sie trug, vermochte sie nicht zu sagen, denn kaum hatte er begonnen seine fast rastlose Reise fortzusetzen, war sie wieder eingeschlafen.

Kalt... eisig Kalt und.. "LODESH!!! Bist du wahnsinnig!" Schnee klebte ihr im Gesicht und sie war schlagartig wach. Die Augen weit aufgerissen starrte sie ihren Bruder an. Doch dieser starrte nur grimmig und müde zurück. Erschrocken musste sie feststellen, dass er extrem abgenommen hatte. Die sonst so strahlenden Augen lagen tief in den Höhlen, die Wangen waren eingefallen und seine Lippen aufgeplatzt. Mit letzter Kraft, so erschien es ihr, lies er sich an einem Felsen zu boden sinken und deutete mit einem Nicken eine Richtung an. Stumm folgte sie diesem und sah nicht weit weg kleine Rauchkringel aufsteigen. Sie kniff die Augen zusammen, denn einige Schneeflocken hatten es sich zur Aufgabe gemacht, ihr direkt ins Gesicht zu wehen, begleitet von einem schneidend kalten Wind. Hütten.. sie sah Hütten. Ihr Herz machte einen freudigen Sprung und ein kleiner Funke Hoffnung kehrte wieder zurück.
Und im selben Moment gefror Ihr fast das Blut in den Adern. Sie sah zu Lodesh.. er musste sie Tage lang getragen haben. Ohne zu Murren, ohne sie zum selbst Laufen zu zwingen. Er musste am Ende sein.. es war ein Moment in dem Rhuwen für ihren Bruder tiefe Ehrfurcht empfand, Liebe und unendliche Dankbarkeit.
Steif richtete sie sich nun auf und sah an sich hinab. Ihre Kleider waren zerfetzt, Ihre Schuhe vollkommen zerschlissen. Überall fand sie dunkle Flecken, die verdächtig nach getrocknetem Blut aussahen.
Seufzend gab sie sich einen Ruck und ging auf Lodesh zu.. dieser sah sie matt und mit leerem Blick an.
"Wir müssen weiter Bruder.. wir müssen weiter.. bald haben wir es geschafft."
Die von ihr gebotene Hand ergriff er mit einem Stöhnen und Ächzen.. Blut was musste er die letzten Tage alles gelitten haben.. Schwer zog er sich hoch und kam wankend auf die Beine. Lange sah er Rhuwen an, noch nicht einmal ein Blinzeln. Lodesh nickte ihr zu, nahm Rhuwen bei der Hand und ging los.. immer näher kamen die Hütten und der, der ihnen als Nagarythe in Erinnerung geblieben war.. hoffentlich....

~Und eine Reise endet..... nie...~
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BeitragThema: Re: Rhuwen... eine graue Seele..   So Mai 30, 2010 1:49 am

~ Denn stets beginnt eine Neue..~

Sie hatten es wirklich geschafft.. mit letzter Kraft hatten sie sich in das Dorf geschleppt und standen nun vor der Hütte, die ihnen als die Nagarythes erklärt wurde. Noch ehe sie anklopfen konnten, ging die hölzerne Tür auf und ein besorgter und gehetzt wirkender Nagarythe kam mit wehendem Umhang heraus.
Er verlor kein Wort sondern zog die zwei Kinder in seine Hütte, schloss die Tür, denn die Traube an Neugierigen, die sich bereits gebildet hatte, musste man den zweien nicht antun.
Noch immer schwieg er, legte einem jeden eine dicke Decke über die Schultern und drückte einen Becher mit heißem und süßlich schmeckendem Getränk in die Hand. Stumm forderte er auf, zu tinken und dirigierte sie zu einer bequemen Sitzbank direkt vor einem kleinen Kamin. Es bedurfte keiner Fragen, denn der Zustand von Lodesh und Rhuwen sagte alles. Ihre Kleider zerfetzt, voll mit Blut und der leere Blick... sie waren erschöpft, ausgelaugt und vollkommen unterkühlt. Er schüttelte kurz den Kopf und mochte sich nicht vorstellen, was sie die letzte Zeit erlebt hatten.
Doch eines wusste er sicherlich.. es WAR etwas geschehen.. denn er erinnerte sich an ein Versprechen, dass er ihrer Mutter Nairá einst gab. Sollte den Eltern je etwas geschehen, würde er Rhuwen und Lodesh bei sich aufnehmen und wie seine eigenen Kinder groß ziehen.. sie lehren und vorbereiten auf das, was sie erwarten würde im Leben.

Und so geschah es auch.. er hatte an diesem Tag nicht gefragt, was passiert war.. und er hatte es drei Jahre nach diesem Tag noch immer nicht gefragt. Die Kinder erholten sich, sprachen endlich wieder und ab und zu schlich sich sogar ein Lächeln auf die Lippen.
Lodesh begann sich im Schwertkampf zu üben und mit einem ehemaligen Schwertmeister im Dorf, hatte er auch zeitgleich einen passablen Lehrmeister gefunden.
Rhuwen hingegen vergrub ihre Nase immer häufiger in Büchern, die der Heilung und der Pfade der Kleriker zusprachen. Auch löchterte sie Nagarythe immer mehr mit Fragen.. warum.. weshalb und was wenn.. wie und wann? Und der alte Barde und ehemalige Kleriker brachte ihr alles bei, was sie wissen musste. Rhuwen lernte erschreckend schnell und saugte das Wissen auf, wie ein trockener Schwamm das Wasser, in den man ihn tauchte. Weitere fünf Jahre zogen ins Land und Rhuwen war soweit, dass sie ihre eigenen Patienten alleine behandeln konnte. Etwas, dass den alten Nagarythe mit Stolz erfüllte. Sie hatte ein Talent für die Heilung..
Und Lodesh hatte sich zu einem respektablen Schwertmeister entwickelt.
Der Winter kam.. und mit dessen Einzug wurde Rhuwen krank... Fieberschübe suchten sie heim, tagelang warf sie sich in ihrem Bett hin und her, redete im Schlaf und schrie immer wieder, von Angst erfüllt, auf. In dieser Zeit erzählte sie, was damals geschehen war und Nagarythe lief es kalt über den Rücken. Ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend und Rhuwen verlor das Bewusstsein.. sie begann wieder zu träumen.. doch diesmal redete sie nicht im Schlaf, zuckte nur immer wieder...

Albträume, fürchterliche Albträume suchten sie heim. Überall lagen Soldaten am Boden, röchelten, schrien, man möge sie erlösen. Überall streckten sich ihr flehende Hände entgegen und griffen nach iihrem Rock. Grausam nannte man sie, erbarmungslos, weil sie an ihnen vorbei ging, obwohl sie stehen bleiben wollte. Es war wie in einem dieser Träume in denen man weglaufen möchte, aber nicht von der Stelle kommt. Hier war es umgekehrt. Sie wollte stehn bleiben doch ich ging stetig weiter, bahnte sich ihren Weg über das Schlachtfeld. Irgendwo am Rande desssen standen Zelte. Banner flackerten an den Stützpfeilern, die dem jeweiligen Gebilde Stabilität verliehen. Ihr war übel, sie fühlte mich matt und ausgelaugt. Überall diese Leid und die gellenden Schreie. Und sie? Sie ging noch immer ohne Halt vorwärts, bis sie vor dem größten der Zelte stand.
Panik kochte in ihr auf. Schatten tanzten im Inneren dieses Zeltes. Immer wieder hörte sie Nagarythe ihren Namen rufen, doch er klang so fern? Es war , als würde er versuchen ihr ein Seil zuzuwerfen, an dem sie sich festhalten und nach hause finden sollte. Doch sie fand den Anfang nicht. Das hier war nicht richtig, gar nichts war richtig und Rhuwen schloss die Augen im Traum, lies Revue passieren , was geschehen war.

Reihe um Reihe standen die Soldaten. Speerträger in der ersten Reihe, Schildträger direkt dahinter.. Berittene Soldaten wieder hinter diesen und zum Schluss Bogenschützen, deren Pfeile mit Leichtigkeit über die Köpfe der restlichen Armee hinwegsurrten und große Löcher in die Reihen der Gegner schlugen.
Als wäre es für sie das normalste dieser Welt wanderte sie durch diese Reihen... Rhuwen musste bei dieser Erinnerung den Kopf schütteln und ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Sie trug eine schneeweiße Rüstung.

Weiß und silbern schien die Kriegsrobe um ihren hochgewachsnen Leib zu fließen, …weich und doch von einer Härte, die nur etwas innewohnt, das für die Schlacht gefertigt worden ist. Fest geschnürt war der Teil, welcher ihren Oberkörper bedeckte, und Runen und Ranken eiskalten Silbers durchbrachen filigran den hellen Stoff, ließen einen aufmerksamen Beobachtet darauf schließen, dass nicht nur Stoffbahnen den schlanken Körper schützen.
Blankes Mondsilber war es, welches unter dem Stoff den Konturen ihres Leibes angepasst worden war, und welches, obschon dünn und leicht, sie zuverlässiger schützen würde, als manche Stahlplatte. Die eingravierten Runen, die zum Teil den Stoff durchbrachen und zum Teil aber auch verborgen darunter lagen, glommen leis in kühlem Licht … - alte Schutzzauber von Nebel und Wasser, die Elemente der untergegangenen Zeiten.
Nur an ihrer Hüfte wurde das Mondsilber wirklich sichtbar, schmiegte sich beinahe in Blattform um die Seiten ihrer Oberschenkel und auf beide Seiten waren inmitten feiner Spiralenmuster Zeilen alter Sprache eingraviert, … die Zeilen eines Gebetes? Verse eines Liedes?

Eben jene Muster und Zeilen setzten sich fort in einem langen Rock, aus dem selben Material und mit der selben Aufwendigkeit gearbeitet. Kein Schmutz blieb daran haften... kein Blut. Es war als würde sich die Kriegsrobe von selbst reinigen oder sogar alles abperlen lassen.

Sie war im Krieg und das hier? Das war nicht IHRE Erinnerung. Wieder schüttelte sie den Kopf, versuchte krampfhaft wach zu werden, doch die Klauen des Traums hatten sie fest im Griff, als wollten sie ihr sagen : Sieh es dir an, das ist wichtig. Wir werden dich erst gehen lasen, wenn alles vorüber ist.
Wider Willen öffnete sie die Augen wieder und im selben Moment wurde die Zeltwand vor Rhuwen angehoben und der Blick auf ein Zelt gewährt, dass eindeutig einem Kommandanten gehörte.
Rhuwen trat ein, ohne Kontrolle über den Körper. Heiße, stickige Luft schlug ihr entgegen und ihr wurde schwindelig. Alles begann unwirklich zu werden. Es war, als wäre sie nur Zuschauer in einem Körper der ihr nicht gehörte. So sehr sich Rhuwen auch anstrengte, sie verstand nicht, was geredet wurde, sah nur verschwommen, als würde sie etwas verdrängen wollen. Eine plötzliche und ruckartige Bewegung lies die Übelkeit wieder auflodern. Der Schritt ins freie wirkte wie eine Ohrfeige, die alles und jeden, in egal welchem Zustand, wieder zu Bewusstsein bringen würde.
Rhuwen sah wieder klar und schnappte panisch nach Luft, konzentrierte mich irrsinniger Weise darauf zu atmen.

Der Gestank von Schweiß, geronnenem Blut und Fäulnis stieg ihr wieder in die Nase und es kostete sie einiges an Überwindung sich nicht auf der Stelle zu übergeben.
Flügel lagen, abgetrennt von ihren Körpern zerstreut auf dem Schlachtfeld.. weiße Federn waren dunkel rot, schwarze Federn glänzten leicht. Der einst reine Schnee war getränkt vom Blut beider Fraktionen.
Das hier war nicht ihre Welt, nicht ihreErinnerung... Sie schrie , schrie, bettelte und flehte , doch kein Ton entran ihren Lippen. Verzweifelt musste sie mit ansehen, wie sie sich nach rechts drehte, auf eine Reihe Zelte zulief aus denen Jammern, Wehklagen und aufgeregtes Gemurmel kam.
Alles in ihr wehrte sich, kämpfte gegen den Körper an, doch ohne Erfolg. Sie wollte nicht noch mehr Leid sehen, wollte sich nicht noch mehr abgetrennte Arme, Beine und andere Körperteile ansehen. Dieser Gestank, diese Augen..
Warum ich? Warum ich? Was habe ich verbrochen um das zu erleben? Waren ihre Gedanken.
Als sie das Zelt betrat packte Rhuwen erneut ein Würgereiz. Überall lagen sie, Verbände, offene klaffende Fleischwunden, in einer Ecke sah man einen Mann mit einem dicken Verband um den Kopf, Blut quoll darunter hervor, rann in feinen Rinnsalen seine Wangen hinab. Nie wieder würde er sehen können... nie wieder.
Etwas zupfte an Rhuwens Geist und ihr Körper begab sich nun ganz in das Zelt. Sie sah wie schlanke Finger , die offensichtlich zu ihr selbst gehören, sich über eine Wunde legten. Sie hörte, wie Worte gesprochen wurden, die in den Ohren nicht hätten sanfter klingen können. Es dauerte eine Weile und die Wunde schloss sich. Lediglich eine feine zartrosa Narbe blieb zurück.
Gesang trat an Rhuwens Ohren und ihr Gesicht, sollte es ihres gewesen sein, wand sich der Person zu, deren Stimme durch das Zelt floss wie flüssiges Gold, so wärmend und sanft, dass man das Gefühl bekam, nichts, was hier geschah war all zu schlimm und hatte einen tieferen Sinn.

Ihre Stimme erfüllte das Zelt mit Melancholie, Trauer um die Gefallenen... schwoll an, als würde doch noch Hoffnung bestehen, dass man Kraft finden würde.. sie schaffte zuversicht, erinnerte manchen daran, was er zu Hause gelassen hatte, wofür man kämpfte. Sie war es, die mir ein wenig Linderung verschaffte in diesem Moment.

Es kam Rhuwen eine Ewigkeit vor, die sie sich in diesem Zelt bewegen musste, heilte, was zu heilen ging und gut zusprach. Jeder Knochen in diesem Körper schmerzte, er fühlte sich müde und ausgezehrt an. Jede Bewegung , jede Heilung verlangte mehr und mehr von diesem Körper. Es mussten Stunden gewesen sein, bis sie das Zelt wieder verlassen konnte. Auf halbem Weg zu einem kleineren Zelt wurde ihr schwarz vor Augen. Aus heiterem Himmel. Sie fiel... fiel.. und fiel. Rhuwen schrie, doch niemand hörte es. Sie wand sich, versuchte irgendwo Halt zu finden, doch griff ständig ins Leere. Schwärze umfing die Frau.. unendliche Stille.. Dunkelheit.
Beinahe hätte sie sich dem Ganzen hingegeben.. hätte sich selbst aufgegeben und damit abgefunden. Doch der Sturz nahm ein jähes Ende und sie kam.. zu Ihrer Überraschung recht weich auf dem "Boden" auf. Rhuwen beschrieb es Nagaryte später folgender Weise:

Doch es begann erneut.. Stimmen, überall Stimmen. Zischend, fauchend, kalt und garstig. Triefend vor Hass, Wut und Eifersucht. Schatten griffen nach mir, rissen am Saum meiner Robe. Andere umschmeichelten wie es lieblicher nicht hätte sein können mein Gesicht, meinen Körper, legten sich um meinen Hals. Lähmung.. ich wollte laufen.. doch nichts. Ich kam nicht von der Stelle.
"ssssseeeht ssssie Euch an... sssssssssseeeht genau hinnnn. Sssssooo unsssschuldig.. ssssssssooooo rein. Wassssss stellen wir mit ssssssssolch einer bloßßßßßß annnnn?" Es klang als hätte eine Schlange gesprochen. Eine gespaltene Zunge deren Aussprache zischend war und drohte meinen Kopf zum Bersten zu bringen. Kichern erklang von allen seiten. Schlurfende, schmatzende Laute.
"Du.... wagssssssst dich.. in unssssser Reich einzzzzudringennnn Mädchennnn?"
"NIEMALS hatte ich vor hier einzudringen!! NIEMALS!!" Ich schrie es und meine Stimme hallte in den endlosen Weiter der Schwärze wieder. Erschrockenes Zischen und Brodeln war zu vernehmen und die Schatten, welche nach mir griffen, zogen sich zurück.
Wütend fauchte die Stimme, die noch eben zu mir gesprochen hatte. "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhh... sssssssschickt ssssssie weg... ssssssickt ssssie weeeeeeeeeeeeeg. Und gebt ihr ein... Gessssssschenkt mit.. sssssiie isssst noch nicht sssssoooooooooooweit.. allesssss zu sssseiner Zzzzzzzzzeit.. alles zu sssssseiner Zeit."

Mir brannte die Frage auf der Zunge, was damit gemeint war, doch kaum hatte der Satz geendet, wurde alles wieder still. Orientierungslosigkeit griff nach mir. Und dann? Regte sich etwas.. vielmehr ich HÖRTE etwas..

"Rhuwen... komm zurück. Komm zurück Kind. Wo bist du nur gelandet? Rhuwen, mach die Augen auf." Mit Engelszungen hatte diese Stimme zu ihr gesprochen und sie erkannte sie, als die ihres Lehrmeisters Nagarythe.
"Komm zurück Kleines, fass dir ein Herz und komm zurück.."
Alles verschwamm vor Rhuwens Augen, sie schlief ein.. tief und fest. Müdigkeit griff nach ihren Gliedern und sie konnte nichts dagegen tun. Sie schlief ein.. sank in einen traumlosen Schlaf.. Tage, Wochen...



~ Ein weiteres Ende... doch der Anfang von Neuem...~
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BeitragThema: Re: Rhuwen... eine graue Seele..   So Mai 30, 2010 2:31 am

~ Denn schier endlos ist der Kreis des Lebens...~

Es dauerte fast ein Jahr bis sich Rhuwen soweit erholt hatte, dass sie alleine aufstehen konnte. Doch trotz der aufopfernden Pflege ihres Lehrmeisters, ging ihre Genesung nur schleppend voran. Selbst der Weg von ihrer Stube bis vor die Tür der Hütte, kostete sie so viel Kraft, dass sie ausruhen musste und zeitweise sogar einschlief.
Das Erlebte während ihrer Krankheit hatte Spuren bei Rhuwen hinterlassen. Sie nahm vieles intensiver wahr an manchen Tagen. Gerüchte und Eindrücke. Sie fühlte sich fremd im eigenen Körper. Ständig hatte sie das Gefühl beobachtet zu werden und gelegentliche Gedächtnislücken machten Ihr zu schaffen. Anfangs fehlten nur Minuten, dann Stunden und schließlich sogar Tage an Erinnerung.
Sie wachte morgens auf und überall in ihrem Zimmer lagen Bücher auf dem Boden. Seiten waren herausgerissen und die Seiten beschmiert mit Runen und Schriftzeichen, die sie nicht zu deuten wusste. Auch ihr kleiner Schreibtisch war übersäht damit. sie verschwieg diese Art von Anfällen, gab an, sich nicht gut zu fühlen und sperrte sich ein.
Verschiedene Vorfälle belehrten sie dann jedoch eines Besseren. Sie nahm sich vor mit Nagarythe zu sprechen...doch es kam anders, als geplant.

Rhuwen war gerade dabei, zusammen mit ihrem Lehrmeister einige Tinkturen herzustellen, als ihr plötzlich übel wurde. Sie schlug die Hände vor den Mund und Nagarythe sah sie nur verdutzt und fragend an. "Rhuwen? Ist etwas nicht in Ordnung mit dir?" Sie hörte seine Worte nur noch leise, als wären sie von weit weg gesprochen. Wieder dieses Gefühl, als würde sie rückwärts in eine Höhle gehen, dort hinein gedrängt werden. Und wieder war sie machtlos, konnte, egal wie sehr sie schrie und kämpfte, nicht wieder nach draußen.
Etwas war anders.. denn als sie sich beruhigt hatte, stellte sie fest, dass sie alles hören und sehen konnte, was da vor sich ging, doch blieb die Kontrolle über den eigenen Körper verwehrt.
Nagarythes Augen weiteten sich und er lies klappernd einen Stößel auf den Tisch fallen, den er eben noch dazu genutzt hatte ein paar Kräuter zu zerkleinern. Rhuwen ... veränderte sich. Der sonst so sanfte Ausdruck auf ihrem Gesicht wich arroganten Zügen, die sanften grünen Augen der Frau FÄRBTEN sich in finsteres Blau und ein wilder, animalischer Hauch nistete sich darin ein. Keuchend rückte er mit seinem Stuhl ein wenig nach hinten, behielt Rhuwen dabei im Blick und sie folgte ihm ruhig und gelassen mit den Augen.

"Wovor fürchtest du dich alter Mann? Habe ich dich erschreckt?" Nagarythe schnappte nach Luft und ein Schauer jagte über seinen Rücken. Sie sprach mit einer Stimme, die kälter als der Frost selbst klang.. wo war die Wärme und Sanftheit geblieben mit der sie sonst sprach?
"Wa.... " er musste sich räuspern um die Sprache wieder zu finden. "Was ist los Rhuwen? Was willst du?" erbärmlich zittrig, so empfand er selbst, klang seine eigene Stimme dabei. Rhuwen lachte auf, freudlos und kühl..
"Was ich will? Rache. Ich will Rache. Ich will ihnen das Herz aus der Brust reißen, ihnen die schönen Flügelchen zerfetzen...ich will sie tot sehen ALLE!" Sie hatte es mit solcher Hingabe gesagt, dass dem alten Lehrmeister die Worte fehlten. Diese Rhuwen kannte er nicht. Rachsüchtig, getrieben von Hass und Wut. Ungehalten blitzten ihre dunklen Augen auf. "Alle werde ich finden.. jeden einzelnen.. jagen werde ich sie.." Wild funkelnd sah sie Nagarythe an und dieser starrte ungläubig zurück.
So aufbrausend, stur und animalisch hatte er sie noch nie erlebt.
Ein Ruck ging durch ihren Körper, ihr Kopf sank auf die Brust hinab und die Augen schlossen sich.. Ruhe herrschte.. kein Laut, nur das Atmen des alten Lehrmeisters war zu hören.
Weniger spektakulär als das gerade Geschehene war das, was folgte.. Rhuwen kippte einfach nach hinten weg.. schlug auf dem Boden auf und blieb regungslos liegen.
Zögernd stand Nagarythe auf, ging auf sie zu und betrachtete Rhuwen mit etwas Abstand. Alles in ihm sagte, er solle sie aufheben und zu Bett bringen, doch das, was er gerade gesehen hatte... lies ihn zögern.
Was, wie sich später herausstellte.. gut so war..
Rhuwen blieb in diesem Zustand. Sie fauchte, war jähzornig und kaum zu bändigen. Jedes Wort legte sie auf die Goldwage. sie diskutierte, duldete keinen Widerspruch und wenn man dazu ansetzte wurde man mit einem Blick belohnt, der hätte töten können und ein Knurren, tief emporgehoben, folgte dem.
In diesem Zustand schlief sie kaum bis gar nicht. Täglich war sie für mehrere Stunden weg, kam sie wieder, war sie übersäht mit kleinen Schnitten, Blut klebte an ihrer Kleidung und dann und wann fand man eine weiße Feder... sie war auf der Jagd....

Nagarythe hörte sich um und bekam eine Antwort.. Rhuwen hatte sich durch das Fieber zu einer gespaltenen Persönlichkeit entwickelt.. eine Seite deren animalische Triebe in allen Richtungen ausgebreitet waren. Egal was sie tun würde in diesem Zustand, sie würde es mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittel tun. Wehe dem, der sich ihr in den Weg stellte. Lodesh war es, der sie beruhigen konnte.. sein Talent die Flöte zu spielen, brachte dem aufgebrachten Geist, der Rhuwen zu kontrollieren schien, etwas Ruhe zurück.
Über Wochen hielt es an und Lodesh lernte immer besser mit Rhuwen umzugehn. Zeitweise wirkte sie sogar normal im Umgang mit ihm und Nagarythe. Sie wurde akzeptiert, so wie sie war und das war wohl ausschlaggebend.
Und so lernten sie alle, damit zu leben. Ob sie nun die alte Rhuwen vor sich hatten, deren Stimme warm und lindernd erklang.. oder ob sie das rachsüchtige und animalische Wesen vor sich hatten...
Und auch Rhuwen selbst lernte, sich mit ihrem zweiten Ich zu arrangieren. Sie führte Buch darüber, was alles geschah und überraschender Weise, tat es ihr zweites Ich ebenso.

Nagarythe überlegte oft.. was, wenn Lodesh und Rhuwen gehen mussten? Was, wenn Lodesh nicht mehr über Rhuwen wachen konnte? Würde sie dann gänzlich verwildern? Er sah zu ihr hinüber, wie sie knurrend über einer Robe saß, die zerrissen und blutbeschmiert war, um sie zu reinigen. Frische Schnitte zierten ihre Wange.
Er schüttelte den Kopf.
Wer würde mit ihr umzugehen wissen? In wie weit konnte sie kontrollieren, was in ihr schlummerte? Seufzend stand er auf, begab ich mit einem knappen "Gute Nacht Rhuwen" in sein Zimmer.

~ und die Wege des Schicksals unergründlich...~
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